{"id":411,"date":"2016-02-18T06:15:37","date_gmt":"2016-02-18T05:15:37","guid":{"rendered":"https:\/\/vokalkreis-hameln.de\/wp\/?p=411"},"modified":"2016-02-18T06:59:02","modified_gmt":"2016-02-18T05:59:02","slug":"kommentar-zum-brassoratorium-der-eckernfoerder-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vokalkreis-hameln.de\/wp\/2016\/02\/18\/kommentar-zum-brassoratorium-der-eckernfoerder-zeitung\/","title":{"rendered":"Kommentar in der Eckernf\u00f6rder Zeitung zum Brassoratorium"},"content":{"rendered":"<h1 id=\"head-anchor\" class=\"headline\">Tief ber\u00fchrende Vorstellung<\/h1>\n<p>(von Gernot K\u00fchl)<\/p>\n<p>Die emotionale Darbietung \u201eAnne! \u2013 damit wir klug werden\u201c in der Nicolaikirche am 7. Februar (siehe auch Bericht auf Seite 9) ergriff mich zutiefst. Ich fragte mich, wie ist es m\u00f6glich, dass heutige Menschen, die \u00fcberwiegend vom Materialismus gepr\u00e4gt werden, eine Darbietung in solcher Demut und Sensibilit\u00e4t aufzeigen k\u00f6nnen. Circa 20 Blechbl\u00e4ser, 40 Chors\u00e4nger, zwei Schlagzeuger \u2013 alle in Schwarz gekleidet \u2013, folgten aufmerksam dem mit gro\u00dfem Feingef\u00fchl begabten Dirigenten Knut Petscheleit.<\/p>\n<p>Doch bevor die Darbietung begann, marschierten die Mitwirkenden im gleichm\u00e4\u00dfigen SS-Schritt in das Kirchenschiff und auf die B\u00fchne. Danach folgte die Sprecherin der \u201eAnne\u201c, Kim von Hein, und die Altistin Christine M\u00fchler, die die Zwischentexte und den Schlusspart laut und deutlich sprach. \u201eAnne\u201c las aus dem von ihrem Vater sp\u00e4ter ver\u00f6ffentlichten Tagebuch so treffend in Stimme und Mimik, dass wir Zuh\u00f6rer uns ganz in die jeweilige Situation versetzen konnten. Diese 15-j\u00e4hrige Gymnasiastin brachte uns so klar die Not, Angst und mitunter auch die Hoffnung der sensiblen \u201eAnne\u201c zu Geh\u00f6r. Dazu erschienen auf zwei Leinw\u00e4nden Spr\u00fcche sowie Bilder aus der damaligen Notzeit. F\u00fcr Juden wurde alles verboten, was das Leben lebenswert macht \u201eVor Jood verboten!\u201c<\/p>\n<p>Freunde der Familie Frank besorgten ein geheimnisvolles Versteck in einem Hinterhaus, wo sie bis 1944 vor dem Zugriff der Schreckensmacht bewahrt blieben. Anne: \u201eIch habe hier das Gef\u00fchl wie ein Singvogel, dem die Fl\u00fcgel ausgerissen worden sind und der in vollkommener Dunkelheit gegen die St\u00e4be eines engen K\u00e4figs fliegt.\u201c Die leise Hoffnung dr\u00fcckt Anne so aus: \u201eWenn ich zum Himmel schaue, denke ich, dass dieses alles wieder einmal gut wird und wir nicht nur Juden, sondern auch Menschen sind.\u201c<\/p>\n<p>Die Familie Frank wurde dann entdeckt, getrennt und abtransportiert. Durch schwere Misshandlungen sowie Entbehrungen erkrankte Anne schwer, so dass sie am 20. Dezember 1944 im Konzentrationslager Neuengamme verstarb.<\/p>\n<p>Der Vater, der eine Tiefe Gef\u00fchlsbindung zu seiner Tochter hatte, ver\u00f6ffentlichte danach ihr umfangreiches Tagebuch. So blieben diese Mitteilungen f\u00fcr uns als Mahnung vor Menschen-missachtenden Taten erhalten.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.shz.de\/lokales\/eckernfoerder-zeitung\/tief-beruehrende-vorstellung-id12748311.html\">Link zum Kommentar der Eckernf\u00f6rder Zeitung<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tief ber\u00fchrende Vorstellung (von Gernot K\u00fchl) Die emotionale Darbietung \u201eAnne! \u2013 damit wir klug werden\u201c in der Nicolaikirche am 7. Februar (siehe auch Bericht auf Seite 9) ergriff mich zutiefst. 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